Kram- und Viehmarkt – ein Fest mit Geschichte

Tradition seit fast drei Jahrhunderten

Autor: Uwe Geese

Obwohl im Gründungsprivileg der Stadt bereits drei Jahrmärkte erwähnt werden, finden sich erst im Marktprivileg von 1731 drei Jahrmärkte konkret benannt. Seither werden regelmäßig Jahrmärkte abgehalten, so dass dieses Jahr als Gründungsjahr des heutigen Arolser Marktes gilt. Der Augustmarkt ist allerdings noch nicht darunter, der wird am 7. Juli 1803 erstmals erwähnt und soll "Mittwochens nach dem neuen Mond im Monath August" abgehalten werden. Innerhalb weniger Jahre etablierte er sich als Pferde- und Viehmarkt, vor allem durch seine Anbindung an die fürstliche Viehzucht und das fürstliche Landgestüt mit seiner veredelnden Pferdezucht. Privilegien wie die Befreiung des zum Markt getriebenen Viehs von Chaussee- und Brückengeld sowie von Zöllen und Handelsabgaben steigerten die Attraktivität des Marktes, der zugleich mit einem Krammarkt verbunden war. Wohl 1814 erfolgte die Verlegung des Marktes aus der Stadt auf den etwas abseits gelegenen Königsberg, und schon bald war der Andrang so groß, dass ein Markttag nicht mehr ausreichte. 1817 wurde er auf zwei Tage verlängert, und im Jahr darauf legte man dafür den ersten Mittwoch und Donnerstag im August fest. Da der Markt immer mehr Fremde anzog und die Stadt dem Fürsten gegenüber für einen reibungslosen Ablauf verantwortlich war, wurden 1819 umfangreiche logistische Vorbereitungen unter Einbeziehung der Bevölkerung erforderlich. Es mussten freie Stallungen für die Fremden registriert werden, einige Arolser hatten das nötige Futter für die aufgetriebenen Tiere zu besorgen. Zudem sollten die Hausbesitzer nötigenfalls Zimmer an Fremde abgeben. Schließlich mussten sich die Bäcker und Bierbrauer zur Lieferung von ausreichend Brot und Bier verpflichten. Auch die Metzger mussten angeben, wie viel Vieh sie zu schlachten beabsichtigten.

Aber auch der Markt selbst musste organisiert werden, wie der Plan des Festplatzes von 1819 zeigt. Auf dem Königsberg wurden in einem großen Karree feste Wirtsbuden aufgestellt, in denen es vor allem Kaffee gab und Gebäck, aber auch Bier, Rum und Branntwein wurden ausgeschenkt. Kalte Fleischspeisen, Wurst und anderes Deftiges gab es in den Buden der Metzger. Große Bereiche waren für Vieh- und Pferdemarkt abgesteckt, letzterem gegenüber befand sich der Krammarkt. Er bildete den Rahmen für die Attraktionen der Schausteller wie Seiltänzer, Luftspringer, Wachsfiguren oder Karussell. In zwei Ecken waren Tanzplätze eingerichtet, an anderer Stelle gab es eine Bude des Rathauses. Neben dem Viehmarkt war ein Zelt des Stadtrates errichtet, vielleicht um ihn zu beaufsichtigen.

Bereits 1818 erfolgt die erste Prämierung eines Araberfohlens. Nach 1825 ist über Prämierungen lange Zeit nichts bekannt, bis sie 1880 wieder aufgenommen werden. Um 1820 also liegt der eigentliche Beginn des Arolser Kram- und Viehmarktes, wie wir ihn noch heute in seinen modernen Dimensionen kennen.